Corpus Vitrearum Schweiz: Glasmalerei des Mittelalters

Die Schweiz bewahrt einen aussergewöhnlichen Bestand mittelalterlicher Glasmalereien. Heute sind rund 200 Glasgemälde in schweizerischen Sammlungen zu finden. Weitere befinden sich an ihrem ursprünglichen Ort in rund 45 Gebäuden. Sie alle bilden gemeinsam ein bedeutendes Kulturerbe von hoher künstlerischer, historischer und handwerklicher Qualität.

Zu den frühesten, noch erhaltenen Glasmalereien zählen die bekannte Flumser Madonna aus dem 13. Jahrhundert (heute im Landesmuseum Zürich), sowie die monumentale Rose der Kathedrale von Lausanne. Weitere bedeutende Zeugnisse der Schweizer Glasmalkunst des Mittelalters sind die Fensterzyklen im Kreuzgang des Zisterzienserklosters Wettingen (um 1280), im Chor der Johanniterkirche Münchenbuchsee (um 1290) und in Kappel am Albis (um 1300/1310) sowie die Glasgemälde in der Klosterkirche Königsfelden (1316–1360). Während aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nur wenige Arbeiten erhalten sind, bewahrt der Chor des Berner Münsters (um 1441 bis ca. 1455) das bedeutendste Ensemble spätgotischer Glasmalerei in der Schweiz.

Das Projekt hat zum Ziel, die mittelalterlichen Glasmalereien der Schweiz vollständig zu erfassen und wissenschaftlich zu dokumentieren. Es schliesst damit eine wichtige Forschungslücke im Rahmen des internationalen Verbands des Corpus Vitrearum. Der Bestand wird neu aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei werden die Entwicklung der mittelalterlichen Glasmalerei in der Schweiz, ihre Stifter:innen und Glasmaler:innen, die technischen Verfahren sowie die Bildprogramme umfassend behandelt. Mit der Erfassung dieser Glasmalereien entsteht zugleich der fünfte und abschliessende Band des Corpus Vitrearum Medii Aevi Schweiz.

Projektdauer: 2026–2031

Medaillon «DRACO AER», 4E, Ausschnitt aus der Rose des südlichen Querhauses, Kathedrale Notre-Dame in Lausanne. © Vitrocentre Romont.

Projektleitung
Annick Herren

Projektkoordination
Sarah Keller

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
Sophie Wolf (Technologie de l’art du verre)
Karin von Wartburg (Modélisation des données)